Gedanken zur Gründung des Bloggerclub e.V.

Am 8. August 2016 haben wir in München den Bloggerclub e.V. gegründet. Fast ein Jahr haben wir geplant, jedes Detail diskutiert und jetzt sind wir am Start – zunächst mit großen Zielen, aber auch schon einem Seminar-Programm für die kommenden Monate und vor allem einem Blogger-Kodex, dem sich die Mitglieder verpflichtet fühlen.

Das Spannende, aber auch Schwierige an Blogger ist: Wir sind eine sehr heterogene Gruppe. Jeder hat andere Ideen, Vorstellungen, Ziele. Einige bloggen als Hobby, für andere ist es Beruf, manche haben journalistischen Hintergrund, andere wollen mit Journalismus bewusst nichts zu tun haben.

Das ist reizvoll, weil man sich gegenseitig helfen kann, unterschiedliche Sichtweisen zu neuen Ideen führen, der Blick in andere Denkwelten den Horizont erweitert. Für eine Vereinigung von Blogger ist die Vielfalt eine Herausforderung – denn wie will man das alles unter einen Hut kriegen?

Wir müssen ja nicht gleich die Welt retten

Ich sehe die Chance darin, ganz und gar vorurteilsfrei und unideologisch an die Sache heran zu gehen: Es geht um Miteinander, Gedanken- und Ideen-Austausch, ein gemeinsames Entdecken neuer Kommunikationswege, um Positives, ums Vorankommen.

Dort, wo man sich nicht einig ist, muss man sich ja nicht einigen. Der Bloggerclub e.V. muss nicht die Welt retten und er muss auch keine Lösung für alles und jedes sein.

Ich muss also nicht die Ablösung des Journalismus durch Blogs und Social Media propagieren. Oder entscheiden, ob Blogger die besseren Menschen und Journalisten sowieso schon systembedingt alle korrupt sind. Oder ob Blogger eh nur dilettantische Laien ohne Medienausbildung sind. Schubladendenken bringt nichts.

Dinge besser machen, ohne ideologische Barrieren

Die große Chance eines unideologischen Herangehens für den Bloggerclub liegt darin, Dinge gemeinsam besser zu machen. Und nicht in der krampfhaften Suche nach den Dingen, bei denen wir uns nicht einig werden.

Warum als piefigen, altmodisch-deutschen „e.V.“? Auch hier ganz unideologisch: Who cares? Darf ich kein Auto fahren, nur weil es irgendwo auch altmodische, hässliche Autos gibt? Das Auto bringt mich von A nach B – das zählt. Die Vorteile eines Vereins hat Sissi schon ausgeführt, das muss ich nicht wiederholen. Und auch die Grundzüge des Bloggerclub e.V. und wie man Mitglied wird, hat Matthias schon beschrieben.

Bis unsere Website steht, gibt es die Satzung, Beitragsordnung und den Bloggerkodex übrigens zum Download unter bloggerclub-dokumente_08-08-2016 (PDF) und den Antrag auf Mitgliedschaft unter bloggerclub-mitgliedschafts-antrag (interaktives PDF).

Was mir persönlich wichtig ist …

… und warum ich glaube, dass der Bloggerclub etwas großartiges sein wird: Wir können gemeinsam etwas bewegen und verändern. Für uns selbst, jeden Blogger individuell, aber auch für unsere in der Krise steckende Medien-Landschaft, zu der natürlich die Blogger-Welt gehört, die darin eine immer wichtigere Rolle spielt.

Achtung, jetzt wird‘s ein wenig theoretisch, da schlägt mein Politologie-Studium durch:

Jeder, der sich an der gesellschaftlichen und politischen Meinungsbildung beteiligt, sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. Worte und Bilder haben eine starke Wirkung auf die Leser und Betrachter. Sie sind Macht. Mit dieser Macht sollte verantwortungsvoll umgegangen werden.

Macht und Medienkompetenz

Leider fehlt es in unserer Gesellschaft immer mehr an Medienkompetenz der Bürger/Leser/Zuschauer ebenso wie am Verantwortungsbewusstsein derjenigen, die kommunizieren – Journalisten wie Blogger gleichermaßen.

Mangelndes Vertrauen an die Aufrichtigkeit „der anderen“ führt dazu, dass man immer noch weniger ehrlich miteinander umgeht und meint, der andere könne mit der Wahrheit ohnehin nicht umgehen.

Hier kann der Bloggerclub meiner Überzeugung nach sehr viel bewirken, nämlich durch …

  • Aus- und Weiterbildung in unserem Umfeld, also in der Blogger-Welt,
  • Bewusstseinsbildung für Zusammenhänge in den Medien,
  • die Verständigung auf Regeln, die dieses Ziel fördern (Bloggerkodex) und
  • mittelfristig eine gemeinsame Stimme in der Öffentlichkeit zu medienpolitischen Fragen und wenn es um Grundwerte des fairen Miteinander geht.

Ich bin überzeugt, dass ein Zusammenschluss wie der Bloggerclub e.V. dazu beitragen kann, zu einer Kommunikationskultur zurück zu finden, die geprägt ist von …

  • fairem und ehrliche Umgang miteinander auf Augenhöhe,
  • gegenseitigem Respekt mündiger Bürger,
  • der Auseinandersetzung mit Sachverhalten abseits der gängigen Schwarz-Weiß-Malerei und
  • Transparenz über Hintergründe und Motivationen, statt Heimlichtuerei und Manipulation der Leser.

Oder wieder zurück auf den pragmatischen Boden der Realität:

Hühnchen werden womöglich bald – wozu auch immer – mit Chlor behandelt. So what? Schreibt es drauf, dann kann ich selbst entscheiden, ob ich es kaufen will oder nicht.

Jemand promotet in seinem Blog einen Lippenstift gegen Bezahlung des Herstellers. So what? Sag‘ einfach, dass der Hersteller Dich dafür bezahlt, dann kann ich als Leser selbst entscheiden, was ich davon halte.

Transparenz statt Bevormundung

Klar, ein Henne-Ei-Problem: Mangelnde Medienkompetenz führt dazu, dass solche Transparenz möglicherweise zu falschen Schlüssen beim Konsumenten führt. Aber dann muss man eben am Verständnis arbeiten und nicht den Konsumenten für dumm erklären ihn bevormunden.

Eine solche Kommunikationskultur zu fördern, könnte die edelste Aufgabe eines Zusammenschlusses wie dem Bloggerclub e.V. sein. Und ist nicht genau das der Grund, wofür Blogs anfänglich gefeiert wurden? Sie haben Konventionen durchbrochen, offene Kommunikation und Transparenz eingefordert und geliefert. Das müssen wir wieder stärken und in den Vordergrund rücken. Dazu wird der Bloggerclub e.V. und vor allem seine hoffentlich bald sehr vielen Mitglieder beitragen. Darauf freue ich mich!

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